Kölner Stadt-Anzeiger
VON INGEBORG SCHWENKE-RUNKEL, 28.02.08, 18:16h
Acht Künstler stellen in acht Überseecontainern Fotografie,
Installationen und Malerei aus.
Der Wind pfiff. Er fegte vom Strom herauf um die Mauern der „Wacht
am Rhein“. Die Künstler mussten sich warm anziehen, denn
dort, am Kilometerstein 701, probten sie für die „Kunsträume“.
Ein Kran bugsierte das mobile Wohnzimmer vorsichtig an Fahrrad- und
Fußgängerschildern vorbei auf die Wiese. Passt? Passt! Die
Künstler bezogen ihren Kunstraum noch nicht, das wäre zu früh.
Aber sie gaben bereits einen Vorgeschmack auf das, was sich am Ende
der dritten Maiwoche von Fronleichnam bis zum darauf folgenden Sonntag
am Rheinufer abspielen wird: In acht großen Überseecontainern
zeigen acht Kreative ihre Arbeiten. Die Fotografien, Papier-, Video-
und Rauminstallationen, die Skulpturen und die Malerei beschäftigen
sich mit einen nahe fließenden Thema: Wasser.
Hanne Engwald, zum Beispiel: Die Leverkusener Fotografin, in Hitdorf
geboren und aufgewachsen, verknüpft ihre Serie mit Kindheitserinnerungen
an den Kilometerstein 706. Es sind Plätze, die ihr etwas bedeuten,
die sie jedoch wie Fundstücke ihres Gedächtnisses fotografiert
hat.
Oder Peter Lorenz:: Das Rheinufer war seine Spielwiese. Auch wenn die
Eltern ihm, dem kleinen Knirps, verboten hatten, alleine dort herumzutollen.
Er wird sein „Wohnzimmer“ auf Zeit mit Rheinsand und Flusskieseln
auslegen. Das Blau spielt eine entscheidende Rolle in seinen explosiv
gestalteten Gemälden - es sind Landschaftsbilder im weitesten Sinn.
Er wird sie aufhängen.
Peter Nettesheim hatte schon zum Probewohnen ein Stückchen Mobiliar
mitgebracht: eine kleine Holzfigur. Besucher des Neulandparks kennen
seine radelnde Groß-Familie.
„Wir müssen doch mal“, hatte sich Michael Salge vor
gut gut einem Jahr gedacht. Aus diesem Anstoß „wir müssen
doch mal eine Aktion am und im Park machen“, entwickelte sich
das Projekt „Kunsträume“. Angelika Strobach, die zusammen
mit Salge die Kunststation im Klinikum betreut, und Harry Plein unterstützen
ihn bei den Vorbereitungen, wie auch die Spedition Niesen. Der kunstsinnige
Unternehmer stellt die acht Container kostenfrei zur Verfügung.
Alles unter Dach und Fach also? Nicht ganz. Zwar steht fest, dass Frank
Arentz eine Fischsuppe zur Eröffnung servieren wird, dennoch fehlt
Geld, um die ganze Aktion mit Musik, Literatur und Kabarett abrunden.
„Ein paar Tausend Euro täten uns gut“, sagte Michael
Salge. Auch aus diesem Grund hatte er zum Probehieven eingeladen. Den
heftigen Wind hatte er allerdings nicht bestellt. Kontakte: 02171 /
514 15, 0221 / 52 52 37, 0221 / 740 11 04.

Originalbeitrag
beim Kölner Stadt-Anzeiger www.ksta.de